Dietmar Stubenbaum zu Gast beim Lions Club Friedrichshafen

von Sabine Rossbach

Traditionelles Taijiquan am Bodensee

 Am 1.12.2016 war Dietmar Stubenbaum zu Gast beim Lions Club Friedrichshafen* und ermöglichte seinen neugierigen und mit asiatischen Kampfkünsten gar nicht vertrauten Zuhörern einen Blick hinter die Kulissen des Taijiquan.

Die traditionelle chinesische Medizin (TCM), sowie Taijiquan und Qigong sind Methoden zur Förderung der Gesundheit und Entspannung, die sich inzwischen im Westen etabliert haben und ihre Akzeptanz finden. Dabei ist bei der Übertragung der traditionellen fernöstlichen Prinzipien in die moderne westliche Kultur viel von ihrem Ursprung verloren gegangen. So wird nicht nur der TCM sondern auch dem Taijiquan und Qigong eine Jahrtausend alte Geschichte nachgesagt. Die Bewegungen des Taijiquan werden als Entspannungs- und Atemübung nachgeahmt und scheinen mit  Kampfkunst nichts zu tun zu haben.

Wie verhält es sich hier wirklich und was entspricht Fiktion und Wahrheit?


2016-12 Dietmar Stubenbaum Vortrag Lions Club 250Dietmar Stubenbaum nahm die Zuhörer in seinem Vortrag mit auf eine Reise durch verschiedene Kampfkünste, die er selbst schon in jungen Jahren begonnen hat. Schon früh hat er sich für Judo, Karate und Schwertkampf interessiert. In den 80er Jahren ging er nach Asien, um am Entstehungsort mehr über die Ursprünge dieser  Kampfkünste zu lernen. So verbrachte er innerhalb von 10 Jahren 8 Jahre in Japan, Taiwan und China. In Taiwan und China erlernte er den Chen Xiaojia Stil des Taijiquan und fand einen Meister, der ihn adoptierte und ausbildete. Zurück in Deutschland gründete er 1995 die “Pagode – Zentrum für traditionelle Bewegungs- und Kampfkunst“ und brachte damit eine der ursprünglichsten Formen des Taijiquan nach Friedrichshafen.

Dietmar klärte in seinem Vortrag einige im Westen weit verbreitete Missverständnisse auf. So handelt es sich bei Taijiquan nicht um eine Jahrtausende alte Kampfkunst, sondern ihre Ursprünge reichen ungefähr 400 Jahre zurück und hängen eng mit dem Übergang von der Ming- zu Qing-Dynastie in China zusammen. Er erklärte uns was hinter den Begriffen Qi, Gong Fu, Shifu und Taiji verbirgt. Insbesondere das im Westen oft esoterisch verklärte Qi als mystische Lebensenergie ist ein in China vielfältig und alltäglich gebrauchter Begriff, der sich nicht so eindeutig übersetzen lässt. So kommt das Qi z.B. auch im chinesischen Begriff für „Airbag“ vor.

Einige wesentliche Grundprinzipien des Taijiquan brachte Dietmar den Zuhörern in leicht verständlichen Bildern nahe.

  • Die Verwendung der Vorstellung, anstelle der Kraft.
  • Spiralbewegung und Rundheit als Basis jeder Übungsfolge
  • Ausgleich von Yin und Yang der Gegenpole in jeder Bewegung.  Weichheit und Härte, Öffnen und Schließen, Sinken und Steigen.

Im Verlauf des Vortrags wurde klar, dass es sich bei Taijiquan um nichts Esoterisches handelt, sondern um eine ursprüngliche Kampfkunst, mit deren Bewegungsformen jeder seine Beweglichkeit nachhaltig erhalten und verbessern kann.

Die Zuhörer waren fasziniert von diesem Einblick in eine ganz andere Kultur und wie wir im Westen davon profitieren können. Einige Fragen brannten ihnen im Anschluss unter den Nägeln. Wie kommt man in dieser fremden asiatischen Kultur und dem wenig freiheitlichen Staatssystem in China so lange durch? Und gibt es auch in der Pagode eine „Charakterprüfung“ für die Schüler? Die letzte Frage beantwortete Dietmar diplomatisch. „Die Gruppe reguliert sich selbst“.

 

* Dietmar Stubenbaum, Schul- und Ausbildungsleiter – Die Pagode, hat sich der Erforschung und Praxis einer ganz ursprünglichen Form des Taijiquan verschrieben. Er wird uns einen Einblick in die Entstehung und Historik des Taijiquan geben. Wir werden die Vorzüge dieser Bewegungskunst und die Hauptunterschiede zu westlichen Bewegungsmethoden und Sportarten kennenlernen.

Dietmar Stubenbaum schöpft aus langjährigen Erfahrungen in verschiedenen Kampfkünsten. Er hat die Praxis des Taijiquan in China und Taiwan in alter chinesischer Familientradition des Chen Clans erlernt und gibt sein Wissen und seine Erfahrung in seiner Schule „Die Pagode“ in Friedrichshafen an seine Schüler weiter. Er ist Herausgeber der Zeitschrift „cultura martialis“ und der deutschen Übersetzung des wichtigsten Klassikers und Grundlagen-Lehrbuches zum Chen Taijiquan „Kommentare zu den Graphischen Erläuterungen des Chen Clan Taijiquan“. Er engagiert sich in der „International Society of Chen Taijiquan“  und der „Gesellschaft zur Erforschung und Praxis des Kleinen Rahmen Chen Clan Taijiquan“ zur Bewahrung der ursprünglichen Methodik dieser Kunst.

* Der Lions Club ist ein Service Club, der sich für soziale Projekte zur Förderung von bedürftigen Familien und Kindern, Behinderten und Alten stark macht. www.lions-fn.de

Mitglied in:

ISCT LOGO

GCT_85

Gesellschaft zur Erforschung und Praxis des Kleinen Rahmen Chen Clan Taijiquan e. V.


logo pagode_170