Schule für Chen Taijiquan (Xiaojia), mit Unterricht, Seminaren und vertiefender Praxis
Taijiquan – Einssein mit Natur und Kosmos
Willkommen bei Chen Taijiquan Leippert
Chen Taijiquan im Xiaojia ("kleiner Rahmen") ist eine traditionelle Kampfkunst, deren Training darauf ausgerichtet ist, den Körper funktionell kräftig, beweglich und zugleich schonend zu entwickeln. Die Bewegungen sind ruhig und kontrolliert, die Kraft entsteht aus Struktur, tiefer Muskulatur und innerer Koordination – nicht aus äußerer Anstrengung.
Das Üben stärkt stabilisierende Muskelgruppen, verbessert Gleichgewicht und Körperwahrnehmung und fördert eine effiziente, entspannte Kraftentfaltung. Diese Qualitäten bilden eine verlässliche Grundlage für langfristige Gesundheit, Belastbarkeit und gutes Altern.
Diese Schule lehrt die äußeren und inneren Prinzipien des Chen Taijiquan, wie sie von Chen Xin aufgezeichnet wurden und in den Familienlinien des Taijiquan-Begründers Chen Wangting (1600–1680) sowie seiner Brüder überliefert sind.
Unterricht und Seminare richten sich an Menschen jeden Alters, die Taijiquan nicht nur als Bewegung, sondern als Weg zu körperlicher Klarheit, innerer Ordnung und nachhaltiger Gesundheit kennenlernen möchten.
Der regelmäßige Unterricht findet derzeit in Meersburg statt.

Meine Ausbildung im Chen Taijiquan begann 1998. Seit 2005 unterrichte ich den Kleinen Rahmen (Xiaojia) des Chen Taijiquan, wie er von den Großmeistern Chen Peishan und seiner Schwester Chen Peiju vermittelt wurde. Beide sind direkte Nachfahren des jüngeren Bruders von Chen Wangting (1600–1680) und gehören damit zu einer der unmittelbarsten Tradierungslinien des Begründers des Chen Taijiquan.
Taijiquan – Herkunft, Stil und Tradierung

Was ist Taijiquan?
Taijiquan (太极拳) ist eine traditionelle chinesische Bewegungs- und Kampfkunst mit mehreren Jahrhunderten Geschichte. Heute wird es oft als ruhige Übung zur Gesundheitsförderung wahrgenommen, doch im Kern ist Taijiquan eine innere Kampfkunst, in der Körperstruktur, Bewegung, Wahrnehmung und geistige Ausrichtung untrennbar verbunden sind.
Seinen Ursprung hat das Taijiquan im 17. Jahrhundert im Dorf Chenjiagou in der chinesischen Provinz Henan. Als Begründer des Chen-Stil-Taijiquan gilt Chen Wangting (陈王廷) (1600–1680), ein Militärangehöriger der späten Ming-Dynastie. Er verband seine militärische Erfahrung mit daoistischen Vorstellungen, klassischen Bewegungstheorien und zeitgenössischen Schriften zur Körper- und Gesundheitskultivierung. Daraus entstand ein strukturiertes System von Formen, Kraftprinzipien und Partnerübungen, das bis heute die Grundlage des Chen-Taijiquan bildet.
Charakteristisch sind langsame, fließende Bewegungen, die aus einer stabilen Körpermitte heraus entstehen. Diese Ausführung dient nicht der Schonung, sondern der Schulung: Bewegungszusammenhänge werden präzise wahrgenommen, Spannungen erkannt und eine effiziente, ökonomische Körpermechanik entwickelt. Ziel ist es, Kraft nicht isoliert muskulär, sondern über eine ganzheitliche Struktur zu erzeugen und zu übertragen.
Ein zentrales Prinzip ist das Zusammenspiel von Yin und Yang – von Öffnen und Schließen, Leere und Fülle, Nachgeben und Wirken. Stabilität und Beweglichkeit, Weichheit und Wirksamkeit stehen dabei nicht im Widerspruch, sondern bedingen einander.
Philosophie, Kunst und Selbstkultivierung bilden ein untrennbares Geflecht. Der Begriff Taiji – das "höchste Letzte" – erscheint bereits im Dazhuan zum Buch der Wandlungen (Yijing), einer der grundlegenden Schriften des chinesischen Denkens. Auch konfuzianische und neo-konfuzianische Vorstellungen beeinflussten die theoretischen Grundlagen.
Aus der Perspektive der Kampfkunst lehrt Taijiquan, äußere Kraft nicht frontal zu blockieren, sondern aufzunehmen, umzuleiten und zu kontrollieren. Fähigkeiten wie Sensitivität (Tingjin), strukturelle Stabilität und präzise Kraftübertragung (Jin) entstehen nicht durch Härte oder Geschwindigkeit, sondern durch korrekte Ausrichtung, innere Verbindung und klare Intention.
Gleichzeitig entfaltet Taijiquan nachhaltige Wirkung auf Gesundheit und Wohlbefinden. Haltung, Atmung, Koordination und innere Entspannung werden kontinuierlich geschult, wodurch Beweglichkeit, Gleichgewicht und Körperwahrnehmung verbessert werden. Viele Übende erleben Taijiquan nicht nur als Training, sondern als langfristigen Weg der Selbstkultivierung.
Taijiquan kann in jedem Alter begonnen werden. Das Training wird individuell angepasst und entwickelt sich über Jahre hinweg. Ob als Kampfkunst, als Bewegungsschulung oder als Weg zu größerer Klarheit – Taijiquan ist eine Praxis von Tiefe, die Geduld verlangt und zugleich reich belohnt.
Was ist Sizheng Taijiquan?
Sizheng Taijiquan – Das Taijiquan der Vier Hauptrichtungen
Meister Chen Peishan entwickelte das Sizheng Taijiquan über mehr als ein Jahrzehnt, um den Zugang zum traditionellen Taijiquan zu erleichtern, ohne dessen innere Prinzipien zu verwässern. Der Name Sizheng verweist sowohl auf die vier Hauptrichtungen des Raumes als auch auf vier zentrale Leitbahnen der chinesischen Medizin, die durch die Übungen besonders aktiviert werden.
Die Form basiert vollständig auf den Grundlagen des traditionellen Chen-Taijiquan des Kleinen Rahmens (Xiaojia). Wesentliche Konzepte wie die spiralförmige Ganzkörperverbindung (chansi-fa) bleiben erhalten, werden jedoch durch bewusst vergrößerte, dreidimensional weitende Bewegungen für heutige Übende leichter erfahrbar. Diese Erweiterung fördert zugleich Mobilität und Regeneration in Schultern, Brust und Rücken.
Im Zentrum steht das Prinzip yong yi bu yong li – "Vorstellung nutzen, nicht Kraft". Die Bewegung entfaltet sich aus Absicht und innerer Führung, nicht durch äußere Anstrengung. So bildet das Sizheng Taijiquan eine eigenständige, vollständige Übungspraxis mit geringem Zeitaufwand, die dennoch die authentischen Grundlagen des Chen-Taijiquan vermittelt.
Da keine inhaltliche Vereinfachung, sondern nur eine methodische Öffnung vorgenommen wurde, kann später nahtlos in das umfassende traditionelle Taijiquan übergegangen werden. Mit der Einführung der Sizheng-Schwertform im Jahr 2015 hat Meister Chen Peishan diesen Weg zudem um ein wesentliches Element des klassischen Waffentrainings erweitert.
Was ist Chen Taijiquan Xiaojia (kleiner Rahmen)?
Der Kleine Rahmen (Xiaojia) des Chen-Clan Taijiquan
Das Taijiquan umfasst zahlreiche Stilrichtungen, deren genealogische Zuordnung meist schon durch ihre Namen erkennbar wird: Chen, Zhaobao, Huleijia, Yang, Wu, Wu-Hao, Sun und andere. Trotz mancher Lücken in der Frühgeschichte gilt als gesichert, dass Chen Wangting (ca. 1600–1680), Ahne der 9. Generation des Chen-Clans, eine zentrale Rolle in der Entstehung des späteren Taijiquan spielte. Auf sein Wirken geht die Entwicklung des Chen-Clan Taijiquan in Chenjiagou, Provinz Henan, zurück.
Innerhalb des Chen-Clans differenzierten sich über Generationen hinweg verschiedene Ausprägungen des Taijiquan. Sie unterscheiden sich im Formaufbau (Anzahl, Reihenfolge und Charakter der Bilder), in der Art der Ausführung (offen und dynamisch oder kompakt und innerlich gebündelt) sowie in konzeptionellen Grundlagen – etwa in der Führung des Dammbereiches, der Hüftarbeit oder der Kraftübertragung. Den Beginn dieser inneren Ausdifferenzierung verbindet man häufig mit Chen Youben (1780–1858).
Heute spricht man vor allem von zwei Hauptlinien: dem Großen Rahmen (Dajia) und dem Kleinen Rahmen (Xiaojia). Auch wenn die Begriffe vermutlich erst im frühen 20. Jahrhundert gebräuchlich wurden, beschreiben sie wesentliche Unterschiede in Aufbau, Methodik und innerer Struktur. Die parallel verwendeten Bezeichnungen Alter Rahmen (Laojia) und Neuer Rahmen (Xinjia) sind jüngeren Datums und führen gelegentlich zu Missverständnissen, da sie historisch nicht eindeutig belegt sind.
Ein entscheidender Markstein für den Kleinen Rahmen ist das Wirken von Chen Xin (1849–1929). Sein Werk Chen Shi Taijiquan Tushuo – "Grafische Erläuterungen zum Taijiquan des Chen-Clans" – gilt seit 1933 als eines der tiefgründigsten theoretischen Werke des Taijiquan und wurde von Meistern aller Richtungen studiert und hochgeschätzt. Chen Xin erhielt seine Kenntnisse von seinem Vater Chen Zhongshen (1809–1871) und seinem Onkel Chen Jishen (1809–1865), herausragende Vertreter dieser Tradition. Damit ist der Kleine Rahmen in seiner charakteristischen Form etabliert.
Die Tradierungslinie führt von Chen Xin über Chen Chunyuan, Chen Honglie, Chen Liqing und Chen Lixian schließlich zu Chen Peishan (geb. 1962) und Chen Peiju (geb. 1965) – den heutigen Linienhaltern des Kleinen Rahmens und Vorsitzenden der International Society of Chen Taijiquan (ISCT). Unter ihrer Leitung wird diese seltene, hochkomplexe und in ihrer Tiefe unveränderte Traditionslinie bis heute bewahrt, weitergegeben und gelehrt.
Die 5 Lernstufen in dieser Tradierungslinie
Unser Chen-Taijiquan Xiaojia wird in fünf aufeinander aufbauende Lernstufen unterteilt:
Erstes Level: Jichujia (基础架)
In dieser Phase erlernt man die Grundform – die einzelnen Bewegungsbilder und den äußeren Rahmen der Übung. Dabei werden die fundamentalen Strukturen geschaffen, der Körper geordnet und ausgerichtet.
Man formt gewissermaßen das Werkzeug, mit dem in allen weiteren Stufen gearbeitet wird. Es ist wie das Skelett eines Gebäudes: stabil, klar strukturiert und unverzichtbar als tragende Basis für alles, was darauf folgt.
Zweites Level: Dongjin (懂劲) / Dongquan (懂拳)
Aufbauend auf dem Fundament der Jichujia-Stufe beginnt hier das Studium der inneren Bewegung (Neijin). Du lernst, die Prinzipien des Jin nicht nur theoretisch zu verstehen, sondern sie im eigenen Körper zu spüren, zu kultivieren und bewusst einzusetzen.
Gleichzeitig entwickelt sich die Fähigkeit des Tingjin (Hinhören auf die Kraft des Gegenübers). Man lernt, Struktur, Absicht und energetische Richtung eines anderen Körpers wahrzunehmen und zu interpretieren.
Form und innere Bewegung verschmelzen zunehmend zu einer harmonischen Einheit.
Drittes Level: Sanbianquan (三遍拳)
Nun wird das Yi – die klare, fokussierte Ausrichtung des Geistes – gezielt eingesetzt, sodass das Qi den Körper auf natürliche Weise führt. Dies ermöglicht, verschiedene Qualitäten des Jin hervorzubringen, einschließlich des explosiven Entladens von Kraft (Fajin).
Die Xiaojia-Taolu verwandelt sich allmählich in die Gongfujia – die Form, in der Können, Reife und Handwerkskunst sichtbar werden. Bewegungen werden komplexer, klarer strukturiert und dynamischer; Elemente wie Sprünge können nun sinnvoll ausgeführt werden, weil die innere Arbeit integriert ist.
Viertes Level: Sibianquan (四遍拳)
Auf dieser Stufe vertieft sich die innere Arbeit weiter, und die Kreise werden kleiner und feiner. Bewegungssegmente vervielfältigen sich fast ins Unendliche. Für einen außenstehenden Beobachter wirkt die Form klarer, direkter und schlichter – tatsächlich jedoch sind die inneren Kreisbewegungen nun äußerst dicht und tiefgehend.
Alte Taijiquan-Schriften beschreiben diesen Zustand oft so: die Fähigkeit dringt "bis ins Knochenmark".
Fünftes Level: Wubianquan (五遍拳)
Die fünfte Stufe ist im eigentlichen Sinne keine Lernstufe mehr – der Lernprozess selbst bleibt unendlich. Auf dieser Ebene hat eine fundamentale Wandlung von Körper und Geist stattgefunden.
Es ist ein Zustand tiefster Natürlichkeit und müheloser Gelassenheit, frei von innerer Enge oder Trennung zwischen Körper und Geist. Man steht in Einklang mit dem Universum.
Für die Praxis bedeutet dies:
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Die Form ist frei – und zugleich formlos.
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Taijiquan ist nicht mehr an äußere Abläufe gebunden: Man kann sitzen, stehen oder gehen – alles wird zu Taiji in Bewegung und Ruhe.
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Taijiquan ist nicht mehr etwas, das man tut, sondern etwas, das man ist.
Taijiquan als UNESCO-Weltkulturerbe
Am 17. Dezember 2020 wurde Taijiquan offiziell in die Representative List of the Intangible Cultural Heritage of Humanity der UNESCO aufgenommen. Damit würdigt die UNESCO Taijiquan als lebendige Kunst, die Bewegung, innere Schulung, Gesundheitspflege und philosophische Tradition miteinander verbindet.
Zu den Unterstützern der erfolgreichen Bewerbung gehörte auch Meisterin Chen Peiju, anerkannte Vertreterin des Kleinen Rahmens (Xiaojia) des Chen-Clans. Durch ihr Wirken, ihre Lehrtätigkeit und die Bewahrung traditioneller Methoden trägt sie maßgeblich dazu bei, dass Taijiquan weltweit authentisch weitergegeben und in seiner Tiefe verstanden wird.
Die UNESCO-Anerkennung bestätigt Taijiquan nicht nur als kulturelles Erbe, sondern verpflichtet auch dazu, die Qualität, den Geist und die Vielfalt dieser Kunst für kommende Generationen zu bewahren.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche gesundheitlichen Vorteile hat Taijiquan?
Taijiquan ist seinem Ursprung nach eine Kampfkunst. Es wurde entwickelt, um in realen körperlichen Auseinandersetzungen bestehen zu können – unter Bedingungen, in denen Kraftverschwendung, unnötige Spannung oder strukturelle Fehler unmittelbare Konsequenzen hatten. Ziel des Trainings war daher ein Körper, der maximal funktionsfähig ist, dabei aber gesund bleibt und nicht durch grobe Belastung geschädigt wird. Energetische Effizienz war überlebenswichtig: Wer zu viel Energie verbrauchte, verlor Kraft, Stabilität und letztlich die Fähigkeit zu handeln.
Vor diesem Hintergrund spielt Kraft im Taijiquan eine zentrale Rolle – jedoch in einer anderen Qualität, als sie im modernen Krafttraining oft verstanden wird. Statt isolierter Muskelanspannung werden vor allem tief liegende Gewebe gestärkt: Haltemuskulatur, Sehnen, Faszien und die verbindenden Strukturen des gesamten Körpers. Kraft entsteht aus Ausrichtung, Elastizität und der koordinierten Zusammenarbeit des ganzen Körpers, nicht aus lokaler Muskelarbeit.
Die langsamen, präzisen Bewegungen dienen dabei nicht der Schonung im Sinne von Passivität, sondern der Schulung von Struktur, Kraftübertragung und innerer Stabilität. Gelenke werden nicht komprimiert oder isoliert belastet, sondern in funktionelle Bewegungsketten eingebunden. So entwickelt sich eine tragfähige, elastische Kraft, die den Körper stabilisiert und zugleich beweglich hält.
Aus heutiger Sicht entspricht diese Art des Trainings genau dem, was für gesundes Altern entscheidend ist: der Erhalt von Kraft, Gleichgewicht und Koordination bei gleichzeitiger Schonung der Gelenke und nachhaltiger Belastbarkeit des Gewebes. Taijiquan fördert eine Kraft, die nicht nur kurzfristige Leistungsfähigkeit, sondern langfristige Struktur, Haltung und Bewegungsqualität verbessert.
Taijiquan verbindet damit Kampfkunst, Selbstkultivierung und Gesundheitspflege auf einzigartige Weise. Gesundheit ist hier kein Nebeneffekt, sondern das Resultat eines Trainings, das auf Funktionalität, Effizienz und tiefgreifende körperliche Integration ausgerichtet ist.
Kann ich Taijiquan in jedem Alter lernen?
Ja. Die Übungen lassen sich an individuelle Fähigkeiten anpassen. Xiaojia bietet eine sanfte, aber tiefgehende Einführung, während fortgeschrittene Stufen den Körper kontinuierlich entwickeln. Das Training ist somit für Jung und Alt geeignet und kann ein Leben lang praktiziert werden.
Welche Taijiquan-Stile gibt es und wie sind sie entstanden?
Taijiquan hat sich über mehrere Jahrhunderte entwickelt und umfasst zahlreiche Stilrichtungen. Die bekanntesten sind: Chen, Zhaobao, Huleijia, Yang, Wu, Wu-Hao, Sun und einige weniger verbreitete Linien.
Historischer Ursprung:
Die Wurzeln des Taijiquan liegen im 17. Jahrhundert im Dorf Chenjiagou, Provinz Henan. Chen Wangting (1600–1680), Militärangehöriger der späten Ming-Dynastie, verband seine Kampferfahrung mit daoistischen Vorstellungen, klassischen Bewegungstheorien und medizinischen Konzepten. Daraus entstand das Chen-Clan Taijiquan, das als Ursprung der meisten heutigen Stile gilt.
Entwicklung innerhalb des Chen-Clans:
Innerhalb des Chen-Clans differenzierten sich über Generationen verschiedene Ausprägungen:
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Dajia (Großer Rahmen): äußere Größe, weite Drehungen, dynamische Entfaltung
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Xiaojia (Kleiner Rahmen): kompakter, stärker auf innere Spiralkraft, Präzision und subtile Kraftentwicklung ausgerichtet
Die Unterschiede zwischen den Linien zeigen sich sowohl in Form, Bewegungscharakter als auch in inneren Prinzipien. Spätere Stile wie Yang, Wu oder Sun entwickelten sich oft aus diesen Chen-Linien, angepasst an neue Trainingsmethoden, gesellschaftliche Bedingungen oder gesundheitliche Zielsetzungen.
Kernidee:
Alle Stile teilen grundlegende Prinzipien: Körperstruktur, Qi-Fluss, Yin-Yang-Balance und die Integration von Geist, Körper und Energie. Unterschiede entstehen hauptsächlich in Formaufbau, Bewegungsdynamik, methodischem Fokus und unterschiedlichen theoretischen Konzepten.
Was unterscheidet Xiaojia vom Dajia (Großer Rahmen)?
Xiaojia ist kompakter und stärker auf innere Arbeit, Präzision und subtile Kraftentwicklung ausgerichtet, während Dajia äußerlich größer, dynamischer und aktiver wirkt. Beide Linien teilen dieselben Grundprinzipien, doch die Methoden in Form und Anwendung unterscheiden sich deutlich.
Die Unterschiede haben historische Wurzeln in der 14. Generation des Chen-Clans. Chen Youben, Onkel von Chen Zhongshen (Vater von Chen Xin) und Chen Jishen, gilt als Urahn des Kleinen Rahmens (Xiaojia). Alle direkten Nachkommen in den Blutlinien von Chen Wangting und seinen Brüdern – Chen Wangqian und Chen Yujie – geben für die Tradierung ihrer Taijiquan-Boxkunst Chen Youben oder einen seiner Nachkommen als Ursprung an. Damit bildet er die Grundlage der Xiaojia-Tradierung, wie sie in der Linie von Chen Xin über Chen Peishan und Chen Peiju bis heute weitergegeben wird.
Die Linie des Großen Rahmens (Dajia) hingegen geht auf Chen Changxing zurück, der eine andere methodische Ausprägung etablierte. Dajia zeichnet sich durch ausladende Bewegungen, größere Kreise und eine äußerlich aktivere Form aus, während Xiaojia ruhiger, nach innen gekehrt und stärker auf innere Spiralkraft fokussiert ist.
Chen Peishan betont dazu in einem Interview:
"Es gibt viele Unterschiede zwischen Dajia und Xiaojia. Manche meinen, Xiaojia werde zu Dajia, wenn man die kleinen Kreise größer ausführt – und umgekehrt. Das ist meiner Meinung nach nicht richtig. Beide Stilarten haben große und kleine Kreisbewegungen; der Radius allein definiert den Unterschied nicht."
Im Dajia werden Bewegungen häufig mit ausladenden Hüftdrehungen geübt, viele Positionen sind weit geöffnet, die Form wirkt äußerlich lebendig und aktiv. Ein typisches Beispiel ist die Position lou xi niu bu (摟膝拗步): Im Dajia wird nach dem Beugen aktiv gedreht, dann aufgerichtet und weit geöffnet. Im Xiaojia hingegen bleibt die Bewegung natürlich ausgerichtet, die Arme sind zur Körpermitte hin geschlossen. Dadurch wirkt die äußere Form ruhiger, nach innen gekehrt und stärker auf innere Spiralkraft konzentriert.
Auch die Theorie zeigt markante Unterschiede. Ein Beispiel sind die Konzepte von kaidang (開襠) – den Damm öffnen – und yuandang (圓襠) – den Damm runden. Im Dajia wird das vordere Qiandang weit geöffnet; im Xiaojia wird Qiandang geschlossen und gerundet, um Stabilität und korrekte Kraftübertragung zu gewährleisten. Das hintere Houdang wird im Xiaojia geöffnet, sodass sich Gesäß, Becken und Lendenwirbelsäule natürlich ausrichten, ohne nach vorne zu kippen. Dies ermöglicht, dass Qiandang in einem natürlichen Kreis geschlossen bleibt – ein wesentliches Kriterium der Xiaojia-Arbeit.
Schließlich unterscheiden sich auch die Kampfanwendungen der Formen. Xiaojia legt den Schwerpunkt auf die subtile, präzise und innere Umsetzung von Technik, während Dajia die äußere Entfaltung und große Bewegungsweite stärker betont.
Genealogische Anmerkung:
Der gemeinsame Urahn der Blutlinie von Chen Wangting und seinen Brüdern (9. Generation des Chen-Clans) sowie der Blutlinie von Chen Youben (14. Generation) ist Chen Jingyuan aus der 4. Generation. Kampfkünste wurden traditionell als geheimes Wissen primär im engsten Familienkreis weitergegeben.
Die Linie des Großen Rahmens (Dajia) geht auf Chen Changxing zurück, der keine direkte familiäre Verbindung zu Chen Wangting, dem Begründer des Taijiquan, hatte. Der gemeinsame Urahn der Blutlinien von Chen Wangting und Chen Changxing ist Chen Tang aus der 5. Generation.
Betrachtet man die verschiedenen Familienlinien im Chen-Clan, zeigt sich, dass die überwiegende Mehrheit heute Xiaojia praktiziert und Chen Youben oder seine Nachkommen als Ausgangspunkt ihrer Taijiquan-Boxtradierung angibt, darunter die Nachkommen in den Blutlinien des Taijiquan Begründers Chen Wangting und seinen Brüdern. Daraus folgt:
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Chen Youben und seine Nachfahren – darunter Chen Xin – mussten herausragende Meister, und Lehrer gewesen sein, deren Wissen die Basis des Xiaojia bildet.
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Die markanten Veränderungen im Großen Rahmen (Dajia) haben wahrscheinlich in der Blutlinie von Chen Changxing stattgefunden.
Fazit:
Dajia und Xiaojia unterscheiden sich sowohl in Form, Bewegungscharakter, innerer Struktur als auch in den methodischen Prinzipien. Die äußere Größe oder der Kreisradius alleine definiert den Unterschied nicht; entscheidend sind Ausrichtung, innere Spiralkraft, Körperstruktur und die jeweilige methodische Zielsetzung. Historisch bilden Chen Youben und seine Nachkommen das Fundament des Kleinen Rahmens, während Chen Changxing, oder was wahrscheinlicher ist, seine Nachkommen, die Grundlage für den Großen Rahmen legten.
Wie lange dauert es, Chen Taijiquan Xiaojia zu lernen?
Die Dauer hängt von Übungsfrequenz, Aufmerksamkeit für innere Prinzipien und individuellem Talent ab. Die Grundlagen wie die Jichujia-Stufe lassen sich theoretisch innerhalb weniger Monate erfassen, doch nach meiner 28-jährigen Erfahrung schaffen das nur ganz wenige Talente in kurzer Zeit. Die große Mehrheit benötigt Jahre kontinuierlicher Praxis, um die inneren Prinzipien von Yi, Jin und Struktur wirklich zu verinnerlichen. Taijiquan ist ein Weg der Selbstkultivierung, bei dem Geduld und Achtsamkeit wichtiger sind als Geschwindigkeit.
Brauche ich Vorkenntnisse in Kampfkunst?
Nein. Sizheng Taijiquan & Chen Taijiquan Xiaojia ist für Einsteiger jeden Alters geeignet. Grundlagen wie Struktur, Haltung, Atmung und Bewegungskoordination werden schrittweise vermittelt. Fortgeschrittene Prinzipien wie Fajin, Tingjin oder Partnerübungen bauen auf dem eigenen Übungsfortschritt auf. Geduld und regelmäßige Praxis sind der Schlüssel zu nachhaltigem Erfolg.
Wie oft sollte man üben, um Fortschritte zu sehen?
Regelmäßigkeit ist wichtiger als Dauer: schon 2–3 kurze Einheiten pro Woche zeigen mit der Zeit Wirkung auf Haltung, Balance und Körperwahrnehmung. Intensivere Praxis oder Seminare vertiefen das Verständnis von Qi-Fluss, Yi-Führung und Jin-Anwendung. Fortschritte im inneren Training zeigen sich oft erst nach Monaten bis Jahren – echte Tiefe entsteht nur durch kontinuierliche Übung.
Wie funktioniert Partnerarbeit (Tui Shou) im Training?
Tui Shou – das "Schieben der Hände" – schult Sensitivität, Struktur und Kraftlenkung. Man lernt, die Absicht, Ausrichtung und Energie des Partners zu erspüren, anstatt mit Muskelkraft zu blockieren. So entstehen Fähigkeiten wie Tingjin und die subtile Kontrolle von Jin, die sowohl für Kampfkunst als auch für innere Praxis zentral sind.
Wie werden Prinzipien wie Yi, Jin oder Zhongding vermittelt?
Die Prinzipien werden durch gezielte Übungen, Formen und Partnerarbeit erfahrbar gemacht. Yi (Geistesführung) lenkt Qi und Bewegung, Jin (Kraft) wird aus korrekter Struktur entwickelt, und Zhongding (innere Mitte) sorgt für Stabilität und Balance. Jede Lernstufe vertieft das Verständnis, sodass diese Prinzipien allmählich in Bewegung, Haltung und Alltag integriert werden.
